Alte Bräuche im Wandel

Kaum ein Brauch in unseren Breiten ist so vielfältig wie der Nikolaus-, Krampus- und Perchtenbrauch; er ist überaus beliebt und gleichzeitig umstritten.

Bei verschiedensten Symposien zwischen Ausübenden und Wissenschaftlern/-innen der (Theologie, Geschichte und Volkskunde) kommt es stets zu großen Meinungsunterschieden. Denn, die Ausübenden beziehen sich auf ihr Wissen, das hauptsächlich aus der mündlichen Überlieferung der letzten drei Generationen stammt.

Die Wissenschaftler haben aber andere historische Entstehungslinien und Definitionen gefunden, die der Bevölkerung heute nicht mehr bewusst sind. Während die Volkskunde heute einerseits die historische Entstehung erforscht, sich aber in gegenwärtige Erscheinungsformen nicht mehr einmischt, gibt es auf Seiten der „Volkskulturpflege“ gegensätzliche Meinungen über Deutungen und Inhalte wie darüber, ob es Events geben soll oder nicht.

Eines steht allerdings fest: Bräuche sind und waren niemals statisch, sondern sie wandeln sich stets mit den Bedürfnissen der Menschen, die sie ge-BRAUCH-en. Viele Bräuche sind durch Einflüsse aus Religion, Politik und Zeitgeist entstanden. Glaube und Aberglaube der Menschen, Ängste, Nöte und Hoffnungen haben Bräuche seit Jahrhunderten verändert, gedeutet und geformt. So entstehen und entstanden unabhängig von historischem Faktenwissen stets neue Formen und Ausdeutungen, die teils ältere Formen ersetzen, teils neuen Zwecken und Bedürfnissen Raum und Form geben.

 

Der Name B/Percht ist vieldeutig

Hinter dem Namen “Percht” verbergen sich drei höchst unterschiedliche Gestalten und Bräuche. So ist z.B die “Frau Berchte” seit dem frühen Mittelalter (8 Jh.) nachweisbar. Sie ist diejenige, die am Vorabend des Dreikönigstages auftritt, das Wohlverhalten prüft, belohnt oder bestraft. In der Renaissancezeit wurde „Frau Berchte“ zur „Frau Welt“, zur Mahnung vor Eitelkeit, Gier und Wollust.

Schon im späten 17. Jahrhundert wurden in Salzburg alle Maskierungen von der Landbevölkerung als „Perchten“ bezeichnet. Aus dieser Zeit stammen die „Schönperchten“; es sind Karnevalsgruppen, die Einflüsse aus mittelalterlichem Tanz- und Spiel, dem italienischen Theater wie dem venezianischen Karneval zeigen.

Die jüngste Gattung sind die neuen Krampus- und (Schiach-)Perchtenpassen, die sich erst seit 1900 entwickelt haben und seit einigen Jahren großer Beliebtheit erfreuen.

Und auch als Schimpf- und Spottwort hat sich der Begriff etabliert: jemanden als „schiache/n Perchtl“ zu bezeichnen ist weder wohlmeinend noch „politisch korrekt“.

Vom Nikolausspiel zur Krampuspass

Zwischen 16. und 19. Jahrhundert war das Auftreten der Teufel an den heiligen Nikolaus gebunden. Die katholischen Nikolausspiele waren gespielter Religionsunterricht sie traten als Stubenspiel aus dem Predigttheater der Kirche hervor.

In komischen und bedrohlichen Szenen kämpfte Satan mit den Teufeln gegen Sankt Michael mit den Engeln vor Nikolaus um die Seelen der Menschen. Vorbild für die Darstellungen waren die Altarbilder in den Kirchen. Der gefallene Engel Luzifer /Satan mit der Gefangenenkette tritt mit seinen Begleitern auf, darunter u.a. Teufel mit Pferdefuß und Saurüssel, Kramperl mit Klauen und Krallen (ital. branca, zampa), Klaubauf mit der Butte, Bartl, Ganggerl, etc. Diese Spiele haben sich vor allem in den Alpen, deren Ausläufern und einstigen deutschen Sprachinseln erhalten.

Im 17. und 18. Jahrhundert wurden aus den Predigt- und Kirchenspielen volkstümliche Formen und schließlich Umlaufspiele, bei denen Spielergruppen zu bestimmten Höfen und Gasthäusern zogen. Als psychodramatischer Religionsunterricht unterwiesen sie auch in Moral und Anstand sowie in den alltäglichen Pflichten der Stände. Dramaturgisch und theatralisch aufbereitet wurden sie zum Spektakel für die Bevölkerung. Z.B. enthalten der Gasteiner Krampuslauf oder das Krimmler Nikolausspiel bis heute alte Elemente. In den Städten sind ab dem 18. Jh. Hausbesuche von Nikolaus und Krampus bildlich dokumentiert.

Verbote und städtische Wiederentdeckung

In den 1780er Jahren fanden viele wirtschaftliche, soziale und religiöse Reformen statt. Dabei wurden unter Erzbischof Hieronymus Colloredo viele Bräuche und Spiele verboten. Die Bevölkerung ließ sich die Bräuche nicht nehmen und führte sie heimlich weiter. Aus diesem Grund fanden viele Masken- und Perchtenläufe nur noch zu Nachtzeiten statt.

Durch die Industrialisierung zogen viele Menschen in die Städte. Gleichzeitig entdeckten die Städter die entlegenen Landstriche und Täler als eine „romantisch heile Welt“. Sie fanden Gefallen an den Bräuchen, Tänzen und Trachten. In Salzburg haben der Museumsverein (ab 1840 Einzelpersonen, ab 1922 als Verein), die Gesellschaft für Salzburger Landeskunde ab 1860 und schließlich Österreichischer Touristen-Club, Alpinia und Edelweißer die ersten Bräuche und Trachten wieder entdeckt und zuerst spielerisch und dann pflegend aufgeführt. (So kam auch der Tresterertanz schon vor 1909 in die Stadt Salzburg).

In den 1920er und den 1960er-Jahren kam es zu vielen Vereinsgründungen, besonders aber seit den 1990er Jahren steigt das Publikums- und Medieninteresse stetig an. Die Art der Kostüme, Gesichtsmasken und der Auftritte hat sich sehr verändert und den heutigen Sehgewohnheiten angepasst.

Krampus- und Perchtenläufe heute

Die Krampus- und Perchtenläufer tragen heute meist kunstvoll gefertigte Masken und Kostüme. Die Zugänge der Gruppen sind sehr unterschiedlich, ihre Bewertungen und Deutungen des Brauches gehen oft weit auseinander. Viele Veranstaltungen haben heute Eventcharakter und richten sich an ein großes Publikum.

Das entspricht unseren heutigen Lebens- und Arbeitsbedingungen. Auch Wettbewerbe und Krampustreffen sind sehr beliebt. Diese eventartigen Veranstaltungen müssen behördlich genehmigt werden, Sicherheitsvorschriften entsprechen dem Veranstaltungsgesetz. Den Gruppen bzw. Passen, die meist gemeldete Vereine sind, wird dabei die Möglichkeit geboten ihre teuren Masken und Ausrüstungen vor tausenden Zuschauern zur Schau zu stellen. Die Bevölkerung, vor allem die Jugend, findet großen Gefallen daran und möchte sich solchen Vereinen anschließen.

Leider gibt es immer wieder gewaltsame anonyme Übergriffe sowohl von Zuschauern auf die Maskierten, als auch von Maskierten auf andere Maskenläufer wie auf das Publikum. Jede Gewaltanwendung ist auf das schärfste zu verurteilen. Bräuche – ob in der Geschichte oder heute – müssen den jeweiligen Gesetzen und Sitten entsprechen! Daher haben die Perchtenvereine für ihre Mitglieder Sicherheitsregeln und Verhaltensvorschriften erlassen.

Viele Passen ziehen von Haus zu Haus. Üblicherweise tritt in den Häusern der heilige Nikolaus als Oberhaupt der Krampusgruppe auf und belohnt die Hausbewohner für die guten Taten. Für „Untaten“ lässt er durch seine Krampusse drohen. In einigen Tälern (Gasteinertal, Großarltal, Rauris) gehen ganze Passen noch von Bauernhof zu Bauernhof; teils verwenden sie Texte-Relikte aus alten Spielen. In der Stadt ist dies leider nicht mehr möglich, da führen Mitglieder der Passen solche Hausbesuche auf Bestellung durch.

Der Streit um die Termine

Historisch haben Krampusläufe in der Adventzeit stattgefunden und Schönperchtenläufe mit Kramperln, Schiachen und Schönen, sowie den heiligen Dreikönigen bis zum 6. Jänner, in manchen Ländern sogar noch im Fasching. Zwischen den 1930er und 1980er Jahren haben manche Brauchtumspfleger und Perchtenläufer „Gesetze“ aufgestellt, nach welchen Krampusse in der Zeit zwischen dem ersten Adventwochenende und dem 6. Dezember auftreten sollten und Perchten nur in den Rauchnächten zwischen 21. Dezember (1. Rauchnacht, Thomasnacht der kürzeste Tag, Wintersonnenwende) und dem Dreikönigstag unterwegs sein sollten. Dazu kamen dann noch Unterscheidungen zwischen Krampus und Schiachpercht. Unserer Meinung nach ist es auf jeden Fall richtig die Zeit des Auftretens auf die historischen Termine zu beschränken. 

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